WISSEN
So wirkt Genießen, das Know-How aus der Wissenschaft
Genießen hat einen großen Einfluss auf das Wohlbefinden, weil es unsere positiven Emotionen verstärkt (Bryant, 2007). Forscher haben das Thema „Genießen“ in vier Bereiche unterteilt, die alle bestimmten positiven Emotionen zugeordnet werden können (Bryant, 2007):
- Dankbarkeit– z.B. gegenüber einer Person, einem Moment, dem Leben
- Ehrfurcht – Staunen und Bewundern, z.B. eines Berggipfels
- Stolz – Positive Äußerungen über das, was man geschafft hat
- Sinnliches Genießen – z.B. Essen, Wellness, Kunst
Die Wissenschaftler bezeichnen die ersten beiden als weltbezogen und nach außen gerichtet und ordnen die letzten beiden einem nach innen gerichteten Prozess zu.
Zu diesen vier Bereichen gibt es noch einen zeitlichen Aspekt beim Genießen:
- Vergangenheit: Eine schöne Erinnerung – zurückblicken, zurückdenken, um positive Emotionen wieder zu erleben
- Gegenwart: Den Moment genießen – ein angenehmes Erlebnis voll auskosten, intensivieren und verlängern
- Zukunft: Sich im Vorfeld auf etwas freuen – die freudige Erwartung auf etwas Bevorstehendes erleben
Die Psychologieprofessorin Barbara Fredrickson hat positive Emotionen im Rahmen der von ihr aufgestellten Broaden & Build Theorie erforscht (Fredrickson, 2001, 2004). Diese Untersuchungen zeigen, dass das Kultivieren von positiven Emotionen zu Offenheit, Ressourcenaufbau und damit zu einer Aufwärtsspirale im Leben führt.
Das hat folgende positive Effekte auf gleich drei Ebenen:
- Körper: Immunstärke, weniger Krankheit
- Beziehungen: Soziales Feingefühl und stabile Beziehungen durch mehr Offenheit
- Geist / Psyche: Selbstakzeptanz und Selbstwirksamkeit durch mehr Optimismus und Achtsamkeit
Beispiel Studie: Führt genießen zu mehr Wohlbefinden? (Jose, 2012)
Probanden führten 30 Tage lang Tag ein Stimmungstagebuch. Darin sollten sie folgende Punkte festhalten:
- Alle positiven Ereignisse festhalten, die sie genossen haben
- Beschreiben, wie intensiv das Erlebnis war
- Beschreiben, welche positiven Effekte das hatte
- Bewertung des eigenen Wohlbefindens auf einer Skala von 0-4
Das Ergebnis der Studie:
Dabei kam heraus, dass bewusstes Genießen ein wichtiger Mechanismus darstellt, um alltägliche Ereignisse in positive Emotionen zu verwandeln und dass Probanden, die bewusst genießen, eine bessere Grundstimmung im Alltag entwickeln.
Unser Tipp: Mach dir umgekehrt bewusst, was passiert wenn wir NICHT genießen.
Wenn wir die schönen Momente mit dem Handy fotografieren, anstatt sie zu genießen und nur die Probleme und die Schwierigkeiten im Leben sehen, dann kann das auch negative Effekte auf Körper, Beziehungen und Geist / Psyche haben. Beispielsweise Schlafstörungen, Streit und Magenprobleme.
Quellen
- Bryant, F. (2003). Savoring Beliefs Inventory (SBI): A scale for measuring beliefs about savoring. Journal of mental health, 12(2), 175-196.
- Bryant, F. B., & Veroff, J. (2007). Savoring: A new model of positive experience. Psychology Press.
- Bryant, F. B. (1989). A four‐factor model of perceived control: Avoiding, coping, obtaining, and savoring. Journal of personality, 57(4), 773-797.
- Fredrickson, B. L. (2001). The role of positive emotions in positive psychology: The broaden-and-build theory of positive emotions. American psychologist, 56(3), 218.
- Fredrickson, B. L. (2004). Gratitude, like other positive emotions, broadens and builds. The psychology of gratitude, 145, 166.
- Jose, P. E., Lim, B. T., & Bryant, F. B. (2012). Does savoring increase happiness? A daily diary study. The Journal of Positive Psychology, 7(3), 176-187.
